Berlins
ältestes und „vielsaitigstes“ Klezmer-Ensemble:
KASBEK
Jiddische Lieder, Klezmer, russische und rumänische Weisen,
Klänge vomBalkan sowie Lieder der Roma stehen auf dem Programm,
wenn das Ensemble Kasbek in Erscheinung tritt. Seit nunmehr etwa
40 Jahren besteht nun schon die Berliner Gruppe, die sich in ihrer
Heimatstadt seit langem einen legendären Ruf erworben hat.
Vielleicht deshalb, weil das Quartett niemals von seiner Kunst leben
musste. Die Musik Osteuropas wird von dem Arzt, dem Pfarrer, dem
Architekten und dem Journalisten aus reiner Leidenschaft praktiziert
_ das allerdings mit hochprofessionellem Anspruch. In Konzertsälen
fühlt sich das Ensemble ebenso zu Hause wie in Kneipen sowie
auf Straßenfesten und Hochzeiten der verschiedensten Volksgruppen
in Berlin. Die Begegnung mit den Kulturen schlägt sich natürlich
auch in dem vielfältigen Repertoire der Band nieder.
Alles beginnt in den frühen sechziger Jahren. West-Berlin,
kurz nach dem Bau der Mauer: Die Stadt lebt in ständiger Furcht
vor dem Kommunismus, wendet sich auch in kultureller Hinsicht den
westlichen Schutzmächten zu. Während die Jugend ganz auf
englische und amerikanische Popmusik fixiert ist, verblüffen
drei junge Straßenmusiker mit russischer Folklore. Frieder
Breitkreutz (Geige), Andreas Karpen (Balalaika) und Christian Müller
(Kontrabaß-Balalaika) müssen dem Publikum in der geteilten
Stadt wie Wesen von einem anderen Stern vorkommen. In den russischen
Emigranten-Kneipen rund um den Halensee sind die jungen Leute besonders
willkommen. Aus diesen Kreisen stammt auch ein Lied, das dem Ensemble
seinen Namen gibt: "Kasbek". In der Berliner Folk-Szene,
die ab Mitte der sechziger Jahre ein großes Publikum in unzählige
Musiklokale lockt, macht sich Kasbek in variierender Besetzung schnell
einen Namen. Im Unterschied zu vielen Folk-Musikern, die in jenen
Jahren national und international Karriere machen, bleiben die "Berliner
Russen" dagegen relativ bodenständig. Mit dem Ergebnis,
daß es Kasbek auch Ende der Siebziger noch gibt, als viele
Folk-Größen längst wieder in der Versenkung verschwunden
sind. Mit der Sängerin Fanja Czempin stehen nun die Lieder
der osteuropäischen Roma im Mittelpunkt. Bis auf eine kurze
Tournee mit den Bolschoi-Don-Kosaken dienen die vielen Reisen durch
ganz Europa mehr dem Spaß und der Erweiterung des eigenen
Horizontes. Irland, wo die Gruppe auf begeisterte Zuhörer trifft,
Frankreich, Griechenland, Rußland und das ehemalige Jugoslawien
lauten die wichtigsten Stationen. Vor allem der Balkan übt
in musikalischer Hinsicht große Faszination auf das Ensemble
aus und bereichert das Repertoire seit Beginn der achtziger Jahre
erheblich.
1984, Kasbek ist gerade auf der Suche nach einem neuen Sänger,
trifft die Gruppe auf Uwe Sauerwein (Gesang, Gitarre), der mit einem
Soloprogramm mit jiddischen Liedern und Geschichten auftritt. Mit
dem neuen Mitglied wendet sich Kasbek verstärkt der jüdischen
Klezmer-Musik zu, und sorgt damit, als einzige Band dieser Art in
der Stadt, für Furore. Unter anderem gastiert Kasbek als einzige
einheimische Band bei den Jüdischen Kulturtagen Berlin und
tritt mit internationalen Klezmergrößen wie Brave Old
World, Giora Feidman oder den Klezmatics auf.
Nach dem Fall der Berliner Mauer avanciert die wiedervereinigte
Stadt vor allem durch die zahlreichen jiddischen Bands aus dem ehemaligen
Ostteil zur europäischen Klezmer-Metropole. In dieser quicklebendigen
Szene erfreut das älteste Ensemble heute ein Publikum, das
mittlerweile aus mehreren Generationen besteht. Im Musik-Wettbewerb
"Musika Vitale", der vom Berliner Senat unterstützt
wurde, belegt Kasbek 1995 den zweiten Platz unter mehr als 40 Teilnehmern.
In der Begründung der Jury heißt es: "Kasbek spielen
nicht Musik, sie sind Musik.“ Im Gremium sitzt Cherif Khaznadar,
Direktor des Maison de Cultures des Monde in Paris, der sich spontan
entschließt, mit Kasbek eine CD zu produzieren. "Klezmer
á la russe" erscheint 1996 beim französischen Label
Inedit und wird von der Gruppe in sechs erfolgreichen Konzerten
in Paris vorgestellt. 1999 feiert Kasbek beim Festival "mela
musique" im Pariser Stadtteil La Vilette große Erfolge,
im Gepäck die neue CD "Beigels & Bublitschki",
kein reines Klezmer-Album, sondern die Kasbek-Mischung aus Jiddisch,
Russisch und Balkan.
Es folgen Phasen der Ruhe, die Musiker sind beruflich eingespannt,
Anfragen für Gastspiele müssen deshalb oft abgelehnt werden.
Es geht in erster Linie nicht darum, möglichst viele Konzerte
zu spielen. Die Sehnsucht nach unbekannten Klängen, die Lust,
immer wieder neues zu probieren, bzw. bekannte Melodien in neuem
Licht zu sehen, ist ungebrochen. Zu erleben auf der dritten CD „Fiesselech“,
die 2009 bei Raumer erscheint.
Auftrittsorte (Auswahl)
BERLIN:
48 Stunden Neukölln
Berlinale
Café Voland
Celtic Cottage
Club Adagio
Dicke Wirtin
Flöz
Galerie Chamisso
Galerie Terzo Mondo
Georg-Kolbe-Museum
Go In
Hackesches Hoftheater
Haus der Kulturen der Welt
Jüdische Kulturtage
Kaffee Burger
Kammermusiksaal Philharmonie
Karneval der Kulturen
Kath. Kirchentag
Kulturbrauerei
Kulturlustwandel Viktoriapark
Kultursommer Englischer Garten
Labsaal Lübars
Pfefferberg
Podewil
Quasimodo
Rathaus Schöneberg
Schwartzsche Villa
Schloss Bellevue (Bundespräsidentenamt)
Sophienkirche
Tage der Jiddischen Kultur
Werkstatt der Kulturen
Verein Berliner Künstler
Zimmer 16
AUSWÄRTS:
Bamberger Klezmertage
Festival „Mela Musique“ (Paris)
Festival Schloss Kaltenberg
Gedenkstätte Oranienburg
Jüdische Gemeinden Düsseldorf / Hannover / München
Kulturkonsum Oranienburg
Maison de Cultures des Monde (Paris)
Völkerkundemuseum (Hamburg)
Zusammenarbeit
u. a. Aufwind, Balaban, Bekir Bekiri, Alan Bern, Bolschoi Don Kosaken,
Jan Deckers, Derya
Takkali, Di Grine Kuzine, Hanan
El-Shemouty, Giora Feidman, Ana
Fonell, Klaus Gutjahr, IG Blech, Franka
Lampe, Frank London, Perepjolitschki, Ivan Rebroff, Joel Rubin,
Tomas Samain, Lorin Sklamberg, Sultan, Suzanna, Terem Quartett,
Trio Shastroff, Tschaika |